Ein Blick zurück (Dez. 2020)

Es ist Dezember 2020 und wir blicken zurück,
auf ein Jahr, das so anders war.
Wir blicken zurück auf das, was geschafft ist,
was wir erreicht und gemeistert,
was überrascht und begeistert.
Und wir blicken zurück, auf eine Reise,
die wir gemeinsam gingen,
jeder von uns auf seine ganz eigene Weise.

Es ist Dezember 2020 und wir sitzen hier
mit mehr oder weniger Menschen,
als Familie – gemeinsam,
in einem Haus voller Menschen – und dennoch einsam,
als Freundes-WG, alleine oder als Paar –
für uns alle war es ein Jahr,
wie es zuvor noch niemals war.

Es ist Dezember 2020 und wir blicken zurück
auf uns und unsere Reise auf der so viel passierte.
Wir haben gekämpft, uns verändert, uns angepasst,
haben versucht zu verstehen
und uns gedanklich an den Händen gefasst.
Wir haben alles zusammen erlebt,
und doch war jeder auf sich gestellt
und nicht jeden Tag hat die Hoffnung unsere Stimmung erhellt.
Wir waren geschockt, erschrocken und hatten Angst,
wir haben diskutiert, bis manchmal die Fetzen flogen,
haben versucht Perspektiven zu wechseln
und manchmal uns selbst angelogen.

So manche Freundschaft hat ihre Wege getrennt,
so manche Gesellschaft hat das Gefühl,
dass sie sich selbst nicht mehr kennt.
So manche Entscheidung hinterlässt Angst und auch Wut.
So manche Entscheidung benötigte Klarheit und Mut.

Wir stehen oft am selben Punkt,
doch jeder von uns schaut woanders hin.
Wir sehen alle was anderes
und das was passiert,
macht für uns mehr oder weniger Sinn.
Wir nutzen unser Herz und unseren Verstand
auf sehr unterschiedliche Weise,
und so wird aus unserer gemeinsamen Reise
eine Reise mit vielen verschiedenen Wegen,
die eingeschlagen werden
und etliche von uns irren umher.
Woher soll man auch wissen, wem man vertrauen kann?
Und traue ich mir selber noch?
Bin ich noch rational
oder im Laufe des Jahres nur noch emotional geworden?

Es ist ein Jahr, das uns gefordert hat
und so wird es noch weitergehen.
Drum lasst uns wieder mehr einander ansehen.
Lasst uns versuchen alles mit etwas Abstand zu sehen,
und anstatt voller Wut und mit Sturheit durchzudrehen
ganz bewusst Schritt für Schritt weiterzugehen.

Wir sind noch nicht am Ende unserer Kraft,
drum lasst uns versuchen, den Fokus zu ändern.
Und lasst uns jeden Tag ein kleines Stück
wieder mehr an unser Herz rücken.
Und lasst uns die Liebe wieder mehr
in unseren Worten und unseren Taten ausdrücken.

Lasst uns mehr mitteilen, wie es uns geht,
und versuchen uns zu verstehen.
Lasst uns unsere Meinungen teilen
ohne uns die Worte im Mund umzudrehen.
Und lasst uns gegenseitig ansehen –
so richtig von Herz zu Herz,
und lasst uns keine Angst haben unseren Schmerz zu fühlen
und unsere Gefühle anzunehmen.

Und lasst uns dann wieder versuchen
auf das zu schauen, was uns glücklich macht und uns erfreut,
auf das, was unser Herz erfüllt.
Lasst uns die Lichtblicke des Jahres anschauen
und uns in Vertrauen und in Liebe baden.
Und lasst uns ein Lächeln im Gesicht tragen,
während wir die nächsten Schritte
auf diesem herausfordernden Lebensweg wagen.

Es ist Dezember 2020 und wir blicken zurück
auf Herausforderungen und viel Flexibilität,
auf Verantwortung und auf Kreativität.
Und mit Optimismus und Hoffnung
geht es nun weiter voran.

Und so beenden wir das Jahr und auch dieses Gedicht
mit Vertrauen, mit Liebe und mit Zuversicht.

© Christina Rehr, 20. Dezember 2020

Ein Blick zurück_Christina Rehr (pdf)